5 Wochen WWOOFen: Das Fazit

Nun bin ich über 5 Wochen auf der Tea Tree Farm „Forest Glen“ gewesen. Insgesamt ist es ein komisches Gefühl. Viel weiter bin ich ja nicht gekommen. Jedenfalls geographisch. Trotzdem war es eine schöne Erfahrung. Ich habe viele interessante Leute kennengelernt und mein Englisch tatsächlich verbessert. Außerdem war reichlich Zeit zum Nachdenken um sich selbst ein bisschen näher zu kommen.

Nun  mal chronologisch.

In den ersten beiden Wochen war relativ zur restlichen Zeit am meisten los. Auf der Farm war noch ein anderer WWOOFer: Ben, mit dem ich mich recht gut verstanden habe. Wir haben viel Zeit mit Tischtennis und anderen Spielen verbracht und  möchten beide auf einen Segelboot arbeiten.

Auch bei den Farmbesitzern, Trevor und Amanda war viel los. Fast jeden Tag kamen Freunde und Verwandte von ihnen vorbei, um ihnen mit dem herausputzen ihrer Farm zu helfen. Denn es musste alles für eine bevorstehende große Hochzeit (mit 140 Gästen) vorbereitet werden.

Die meisten Freunde der Farmbesitzer waren sehr freundliche und erstaunlich aufgeschlossene Menschen. Es gibt wenige solche Menschen in Deutschland. Sie genießen tatsächlich ihr Leben und stellen Freundschaft in dessen Mittelpunkt. Man hat gemerkt, dass sich jeder auf die Hilfe des anderen verlassen konnte. Auch gegenüber den WWOOFern bzw mir waren sie offen und freundlich.

Ab und zu wurden wir sogar auf ein Bierchen oder einen Ausflug von Ihnen eingeladen.
Jeder von Ihnen hat uns auch angeboten, wenn wir mal in ihrer Gegend sind, sie zu besuchen.
In den ersten Wochen habe ich meistens um das Haus rum gearbeitet. Ein paar Tage musste ich Weeden (Unkraut entfernen), welches meiner Meinung nach die wohl sinnloseste Aufgabe ist, die es hier gab. Denn das Unkraut bzw. Gras wächst innerhalb genau drei Tagen wieder nach. Insofern ist es eine echte sisifus-Arbeit: wenn man mit einem Beet fertig ist, ist das vorige schon wieder nachgewachsen…

Danach wurde ich glücklicherweise vom Weeden abgezogen und musste das Haus streichen. Darauf folgten dann erst mal viele kleinere Arbeiten zur Vorbereitung der Hochzeit.
Am Tag der Hochzeit war es dann mal richtig stressig. Ben und ich wurden eingeteilt zu Kellnern bzw mussten immer die leeren Flaschen und Gläser aufsammeln und aufräumen. Später mussten wir dann die ganzen Mahlzeiten rausbringen und servieren und bis ca. 1 Uhr Nachts weiter Flaschen aufsammeln etc.
Folglich haben wir also an dem Tag über 13 Stunden gearbeitet. Anstatt der 6 Stunden. Dementsprechend frustriert war ich dann, als ich gesehen habe, dass die nicht-WWOOFer, die meist sogar weniger als wir arbeiten mussten, je ca. 100 – 200 AUD verdient haben.
Langsam kam dann das Gefühl auf, dass man ausgebeutet wird. Und – zumindest von Amanda – mehr als billige Arbeitskraft gesehen wird.
Die Wochen  nach der Hochzeit vergingen ziemlich schnell. Trevor hat Ben du mich erst mal als Entschädigung nach Nimbin gebracht und gezeigt. Nimbin ist ein ziemlich kleines Hippi Kaff. Die Mehrheit der Passanten dort stand ohne Zweifel unter starkem Drogeneinfluss. Alles war sehr pseudo alternativ. Trotzdem war es ein Touristen Ort und man hat gemerkt, dass der Ort stark kommerzialisiert geworden ist. An jeder Ecke möchte man einem beispielsweise Cannabis verkaufen.
Nachdem wir in Nimbin waren, haben wir Ben in Bayron Bay abgesetzt, da er nun in Richtung Norden weiterziehen wollte um seinen Traum, einem Job auf einen Segelboot, näher zu kommen.
Eigentlich hatten wir überlegt zusammen dort hin zu gehen, aber ich entschied mich dann dafür noch auf der Farm zu bleiben und auf eine Nachricht von Ben zu warten (sodass, ich besser einschätzen kann, wie leicht es ist an Bootsarbeit zu kommen).

Nach wenigen Tagen stellte sich heraus, dass es scheinbar fast keine Jobs gibt.
Also blieb ich weiter und habe vor allem die Zeit mit Arbeit auf den Feldern verbracht. Die Felder mussten von Eucalyptus befreit werden, der sonst vom Mähdrescher mit aufgenommen werden würde und so das Tee Tree Öl verunreinigen würde.
Die Arbeit war sehr anstrengend. Es ist ziemlich krass, dass man von WWOOFern erwartet bei 30 ° in der Sonne 6 Stunden am Tag zu arbeiten. Trotzdem fand ich die Arbeit gut um Nachdenken zu können und endlich etwas mehr Ruhe von meiner momentanen Reisegefährtin zu haben – die mir offen und ehrlich gesagt zu der Zeit anfing richtig auf die Nerven zu gehen.
Nach etwa 1 ½ Wochen kamen dann Matt und Marc, sie sind Brüder aus Südafrika.
Erst dachte ich, dass es „echte“ schwarze Südafrikaner sind und war schon total gespannt endlich wieder neue Leute kennenzulernen. Es stellte sich aber heraus, dass sie weiß sind aber trotzdem bereits seit mehren Generationen in Südafrika leben.
Nach einem Tag haben wir uns bereits super verstanden und hatten eigentlich jeden Tag sehr viel Spaß und immer was zu lachen. Meine Arbeitsmoral hat durch die beiden Jungs aber einen leichten Knick bekommen. Meistens sind wir zu dritt auf die Felder gegangen, haben dann etwa eine Stunde gearbeitet und uns dann in den Schatten am anderen Ende des Feldes gesetzt und geredet und gelacht. Es war echt schön endlich wieder ein paar Leute mit einem guten Sinn für Humor um sich rum zu haben. Die Arbeitszeit verging ausgesprochen schnell und meine Laune war entsprechend gut.
Ich denke, ich sollte nun vielleicht etwas näher auf Matt und Marc eingehen.

The Eucalytus Troppers
Von L n R: Gianna, Markus, Matt, Marc
Matt ist mit 28 der ältere Bruder der beiden und recht extrovertiert. Anfänglich hab ich hauptsächlich mit ihm geredet. Er hat in Südafrika Musik studiert und spielt Gitarre als Hauptinstrument. Ich schätze mal er spielt ca 4 Stunden am Tag. Viel Zeit verbringt er mit Improvisieren. Er ist ein richtig guter Kerl und hat einen guten Charakter. Auf den ersten Blick wirkt er relativ „Tough“,aber lustig ist, dass er vor allen möglichen Kleinviehern Angst hat. Beispielsweise bekommt er manchmal mitten im Feld kleine Panikattacken weil er in ein Spinnenweb gelaufen ist.
Marc ist eher etwas introvertierter. Er ist 2 Jahr jünger und hat erst Chemie und Physik studiert aber dann abgebrochen.
Die beiden sind schon ziemlich viel rumgekommen: Canada, Europa, etc.
Beiden sind auch ziemliche Kiffer. Zumindest wenn sie nicht gerade WWOOFen. In Südafrika haben sie ziemlich viel selbst angebaut. Und es war lustig und interessant von Ihren kleinen Anekdoten zu hören. Wie sie auf einem fremden Grundstück in mitten eines Getreidefeldes beispielsweise eine Lichtung geschlagen haben und Cannabis angebaut haben und dann jede Wochen flaschenweise Wasser dort hingebracht haben um die Pflanzen zu bewässern. Nach ein paar Wochen wurde vom Helikopter der Polizei ein riesiger Flaschenberg gesehen und ihre kleine Plantage wurde dicht gemacht. Ich denke, ich sollte aber hier nicht zu weit ausschweifen, um die Länge des Blogeintrags nicht ins Unerträgliche zu bringen.
In der letzten Woche hat die Arbeitsmoral von mir dann langsam ihren Tiefpunkt erreicht und meine Einstellung gegenüber unseren Hosts – Amanda und Trevor – hat sich auch weiter verschlechtert, sodass wir eigentlich alle möglichst schnell von Forest Glen weggehen wollten.

Viele Kleinigkeiten haben dazu geführt. Beispielsweise Amandas gesamter Charakter und ihre nervige Art waren für mich ein großer Faktor. Sie erwartet für ein nicht besonders gutes Essen sowie einen Toast im Morgen dass wir jeden Tag 6 Stunden abrackern. Wir haben dann mal ungefähr geschätzt wie die Unkosten durch uns so sein müssten. Das Essen würde etwa vllt einen Wert von 8 Dollar + 3 Dollar für ein kostenloses Bier = 11 Dollar.  Insofern ist der Deal dort zu WWOOFen einfach nicht wirklich fair. Die anderen WWOOFing Plätze von denen ich bis jetzt gehört habe haben durchschnittlich etwa drei Stunden einfache Arbeit verlangt und haben ihren WWOOFern deutlich mehr geboten wie z.B ein eigenes Zimmer.
Und trotzdem scheint Amanda zu denken, dass wir 6 Stunden pünktlich auf die Sekunde hart arbeiten – und wenn man nur ein paar Minuten zu spät anfängt, wird sie schon richtig ungemütlich.
Naja trotzdem habe ich hoffentlich einen höflichen Eindruck noch einigermaßen beibehalten und die Arbeit „sauber“ zu Ende gebracht.



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2 Antworten auf “5 Wochen WWOOFen: Das Fazit”

  1. Frank Schreibt:


    Besuche Frank

    Interessant auch mal nicht ganz so positive Erfahrungen zum Thema Wwoofing bzw. Farmarbeit zu lesen - vielleicht hat der Autor ja mal Lust, seine Eindrücke & Erfahrungen auch auf unserem Portal zu schildern, das wäre wirklich klasse, da man so auch mal die “andere Seite der Medaille” kenenn lernen würde!

  2. chris Schreibt:


    Besuche chris

    Also ich hab von der Farmarbeit bisher auch eher viel negatives gehört, man darf natürlich nich vergessen das es kein echter job ist, und schliesslich lernt man durch die erfahrung auch einiges - Ich hab vor ein paar Jahren auch für einen Hungerlohn in Spanien gejobbt, aber nicht des Geldes wegen, sondern um die Sprache zu lernen.


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