Am Donnerstag war mein erster Tag Tree Planting in Jackadgery. Jackadgery ist eigentlich kein Dorf sondern nur eine Tankstelle mit einem Zeltplatz. Trotzdem ist der Ort wirklich sehenswert. Es gibt einen sehr sauberen Fluss, aus dem auch das Trinkwasser für die Gegend stammt. Das Wasser ist angenehm warm und perfekt fürs Baden. Gleich beim ersten mal wo ich beim Fluss war, war für mich klar, dass ich an diesen Ort nochmal zurück will und eine Kanu-Tour für ein paar Tage machen möchte.
Wir sind erst Mittwoch Nachts angekommen und mussten dann erst mal noch unser Zelt aufbauen und auspacken. Matt, der uns mit dem Auto hingebracht hat, musste am nächsten Morgen gleich wieder nach Brisbane abreisen, um einen Freund abzuholen.
Nach ein paar Stunden Schlaf mussten wir kurz nach 4 Uhr Morgens aufstehen und uns fertig machen. Um 4:45 sind wir dann im Auto (ein alter 4WD-Armee-Wagen „Troopi“) etwa 45 Minuten zu dem Wald gefahren, in dem wir arbeiten müssen.
Die Arbeit am ersten Tag bestand daraus die ganzen frisch gepflanzten Bäume zu düngen. Auf den gegenüberliegenden Seiten von jedem großem Baumfeld waren zwei Geländewagen, von denen wir immer 20 KG Dünger in unsere Tragetaschen gefüllt bekommen haben. Neben jedem Baum musste dann ein kleiner Becher Dünger vergraben werden. Pro 10 KG verteilten Dünger haben wir 3,5 Dollar bekommen. Folglich sollte man am besten mit den Dünger durch das Feld rennen sodass man auch eine ordentliche Menge Dünger unter die Erde kriegt. Nach ca. 8 Stunden düngen habe ich 46 Eimer mit Dünger verteilt und somit gute 161 Dollar verdient. Ich war total kaputt und müde aber hatte doch bereits eine Menge Geld gespart.
Die beiden erfahrenen Tree Planter, die auch noch da waren, haben zwischen 70 und 80 Buckets gemacht. Also kann man dabei noch viel mehr Geld rausschlagen.
Nach einem weiteren Tag Düngen mussten wir nach Tenterfield umziehen, da dort andere Felder mit Bäumen versorgt werden sollten.
Das hat mich besonders gefreut, weil in Jackadgery keine Einkaufsmöglichkeit vorhanden ist. Wir haben zu dritt von einer Packung Toastbrot und einem KG Karotten 2 Tage überlebt.
Die Fahrt von Jackadgery zu Tenterfield war zwar sehr unbequem. (Siehe Foto) Aber die Landschaft war wirklich faszinierend. Der Großteil der Strecke bestand aus sehr engen gebirgigen Straßen, die durch den Urwald verliefen.
Dort haben wir eine kleine Hütte im Karavan-Park bekommen. Sogar Kühlschrank, TV etc war vorhanden. In der Hütte gab es zwei richtig unbequeme kleine Kojen-Betten und ein großes Doppelbett. Ich hab dann vorgeschlagen, dass jeder sein Bett zieht. Und natürlich hatte ich auch gleich Pech und hab eines der schlechten bekommen.
In Tenterfield war das Wetter viel unangenehmer als in Jackadgery. Am frühen Morgen war es total kalt und dann wurde es schlagartig über 30 Grad. Die Temperaturen kamen schon ein bisschen an Wüstenklima ran. Neben dem Wetter waren die Fliegen eine riesige Belastung. Man hatte auf jeder Schulter ca 30 Fliegen und im Gesicht mindestens nochmal 50 Stück.
Die Arbeit bestand nun daraus, dass man durch die ganzen gepflanzten Baumreihen rannte und nach toten bzw. kaputten Bäumchen suchte und sie dann ersetzte. Trotzdem wurde man pro gepflanzten Baum bezahlt. Ein Baum war etwa 10 Cent wert.
Alles in allem war das meistens eine frustrierende Arbeit, da man oft ein paar Hundert Meter rennen musste, um einen toten Baum zu finden. Folglich kam ich nicht mehr in die Gehaltsgegend von 160 $ sondern dümpelte bei etwa 120 rum.
Mit jedem weiteren Tag sank unsere Arbeitsmoral. Marc und ich saßen dann manchmal für eine Stunde im Auto und machten einfach nur Pause nach Pause. Und trotzdem verdienten wir fast genau so viel wie die, die sich wirklich jeden Tag bis ans Limit belasten und alle Baumreihen ablaufen.
Der Tiefpunkt war dann als wir nach einer Nacht voller Regen rausgefahren sind und der Boss „Lee“ die bescheuerte Idee hatte mit dem Troopi einen total aufgeweichten und rutschigen Schlammhügel runterzufahren. Nachdem wir dann unten angekommen waren, sah er ein, dass die Straße zu schlecht war und wollte wieder umkehren. Und selbstverständlich blieben wir gleich erst mal stecken. Alle mussten dann raus in den Schlamm und das Auto anschieben. Von oben hat gleichzeitig auch noch ein zweites Auto gezogen. Wir schafften es dann in ca. 1 ½ Stunden das Auto zu befreien und unseren Rückweg anzutreten. Insgesamt waren an dem Tag ca. 4 Stunden unterwegs und wurden überhaupt nichts bezahlt, da wir ja keine Bäume eingepflanzt haben.
Der darauffolgende Tag war auch ganz toll. Wir durften wieder um 4 aufstehen und aufs Feld fahren. Dann hat sich Lee kurz die Straße angeschaut und festgestellt, dass sie immer noch nicht befahrbar ist und hat uns wieder zurückgefahren.
Ich hatte also einige Tage an denen ich mehrere Stunden Zeit für Tree Planting verschwendet habe, aber im Endeffekt nichts verdienen konnte.
Am nächsten Tag bekam ich dann relativ unangenehme Nachrichten aus Deutschland, sodass Marc und ich beschlossen erst mal in den Bottleshop zu gehen. Wir haben dann Wein und rum gekauft und mit den anderen einen langen Abend gemacht.
Da wir ziemlich viel getrunken hatten, war der nächste Morgen ( an dem wir eigentlich Arbeiten sollten) eine Katastrophe. Mir war ziemlich schlecht und ich fühlte mich krank. Auch Marc war nicht in einem guten Zustand.
Als dann Lee klopfte um uns aufzuwecken hab ich mich einfach nicht bewegt und Marc hat sich in der Dusche versteckt. Gianna war die einzige die aufgestanden ist und tatsächlich zur Arbeit ging.
Am nächsten Morgen haben wir dann alle gekündigt und sind aus Tenterfield abgehauen.
Tree Planting
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