Grain Harvest

An den vorigen Tagen haben wir mit Matt und Sean telefoniert, die derzeit auf dem Grain Harvest im Inland ihr Glück versucht haben. Sie verdienen pro Stunde dort ca. 21 Dollar und können bis zu 15 Stunden am Tag arbeiten. Sie informierten uns, dass es wohl weitere offene Stellen gibt.
Nachdem ich dort nochmal angerufen hatte und mit dem Boss, Dan, geredet habe, hatten auch wir alle eine Stelle zugesagt bekommen.
Nun ging es also mit dem Auto auf dem Weg in Richtung Inland nach Toobeah (in der nähe von Goondiwindi).
Die Strecke war recht öde und mit jeden paar Kilometern weiter nach Westen wird die Landschaft dürrer. Trotzdem hatten wir eine sehr interessante Fahrt, da das Wetter uns mit einer Gewitterfront willkommen hieß.
Gegen Abend kamen wir an und waren schon ein bisschen schockiert als wir den Zustand der Unterkünfte etc zu Gesicht bekamen.Unser Raum
Matt und Sean fanden wir fast hirntot auf ihren „Betten“, sodass mir gleich bewusst wurde, das die uns bevorstehende Arbeit nicht gerade angenehm sein könnte.
Am nächsten Morgen absolvierten wir dann unseren ersten Arbeitstag.

Dieser begann mit einer Safety Induction. Uns wurde ein kleines Heft mit Sicherheitsrelevanten Kram gegeben, was wir „durchlesen“ sollten. Wir hatten etwa 30 Minuten für über 100 Seiten. Also beschränkte ich mich auf die Überschriften.
Danach bekamen wir ein Formular in welchem wir für jedes einzelne Kapitel (es gab mindestens 80) einmal unterzeichnen mussten, dass wir es gelesen und verstanden hätten.
Nach dieser Einführung wurden wir vom Boss an einen Lobster gefahren. Das ist ein Gerät mit welchem das Getreide aufgenommen wird und dann in einem sehr starken Strahl weggeschleudert wird. Um den Lobster rum war sehr viel Getreide, welches wir als erstes alles auffegen mussten.

Ausgerüstet waren wir mit einem Mundschutz und einer Brille sowie Ohrenstöpseln.
Trotzdem merkte man nach wenigen Stunden die ersten Grain-Erscheinungen. Die Augen fingen an zu tränen und man hatte teilweise leichten Husten. Mit Hilfe einer völlig geschlossenen Skibrille lies sich aber ersteres dann doch noch einigermaßen umgehen. Das ständige Jucken überall am Körper lies sich jedoch nicht vermeiden.
Ich arbeite: entladen des Trucks
Nach dem wir das Aufräumen beendet hatten, mussten wir uns um die Trucks kümmern. Es kamen
permanent LKWs rein, welche durch Handzeichen gelotst werden mussten. Nachdem der Truck dann richtig stand musste man die Entladeklappe öffnen und versuchen sie immer so weit offen zu haben dass das Getreide so schnell rausfällt, dass es nicht den Lobster zum Überlaufen bringt.
Der erste Tag war dann auf Grund eines nahenden Sturms bereits nach 9 Stunden Arbeit vorbei. Aber der inoffizielle Grund für das frühe Ende war, dass der Site Manager „Kerro“ total betrunken war und man befürchtet hatte, dass Inspektoren kommen könnten.
Kerro ist echt ein ziemlich krasser Outback-Australier.
In der ersten Nacht, die wir dort geschlafen haben, hat er wohl durchgesoffen und ist dann so um 3 Uhr Morgens fischen gegangen. Erstaunlicherweise hat er einen ziemlich großen Fisch erwischt. Um 4 Uhr Morgens ist dann jemand schreiend in unser Zimmer reingerannt und hat uns einen riesigen zappelnden Fisch ins Gesicht gehalten.
Erst hielt ich es für einen komischen Traum aber in Wirklichkeit war es der völlig betrunkene Kerro, der uns stolz seinen Fisch präsentiert hat!
In den zwei Wochen, die ich insgesamt dort war, war Kerro mindestens 90% der Zeit total betrunken. Auch morgens. Dies hat ihn aber nie am Autofahren oder arbeiten mit schweren Maschinen gehindert. Ohne Frage ist er auch ein erhebliches Unfallrisiko. Besonders bei seiner ziemlich brachialen Umgangsweise.
Nachdem wir dann am zweiten Tag aufgewacht sind, war das erste was wir hörten: no work today. Denn es war wohl immer noch Niederschlag möglich.
SturmDieses Schema hat sich dann über die gesamte Woche manifestiert, sodass wir unsere erste Arbeitswoche mit nur einem Arbeitstag absolviert haben. Die freien Tage verbrachten wir meist in Goondiwindi (50 km entfernt) oder mit relativ kläglichen Fisching-Versuchen. Fishing and drinking
In den freien Tagen hat es sogar wirklich ab und zu mal gewittert. Trotzdem ist diese sehr große Vorsicht verständlich, denn wenn so eine Grain-Pile nur ein bisschen Feucht wird, fängt das Getreide an zu keimen und man kann alles einfach wegschmeißen.
Dann nach der ersten Woche war Fortuna wohl kurz auf unserer Seite, denn wir konnten 3 weitere Tage arbeiten. Die Arbeit bliebt die selbe, sodass ich darauf verzichten werde, diese hier noch weiter zu beschreiben.
Dann begann wieder das Wetter-Problem und wir konnten wieder nichts anderes tun als unsere Zeit zu vertreiben. Als neuer Zeitvertreib hat sich dann auch Stronghold spielen mit Marwin etabliert.
Sean und Matt haben sich zum Zeitvertreib auf Biertrinken spezialisiert. Dabei hab ich ihnen auch das ein oder andere Mal „geholfen“.
In diesen Tagen des Wartens gab es auch wieder lustige Situationen mit unseren GrainCorp Kollegen.
Beispielsweise wurden wir ein mal um etwa 2 Uhr nachts aufgeweckt und uns ein Bier ins Gesicht gehalten. Dann wurden wir „gezwungen“ aufzustehen und der restlichen Meute draußen Gesellschaft zu leisten. Nach etwa 3 Stunden und ca 50 Mückenstichen gelang es uns dann wieder zu fliehen.
Nach ein paar mehr Tagen ohne Arbeit kam dann der Boss, Dan und meinte, dass es momentan total schlecht aussieht und auf Grund der vorigen Stürme wohl ein Großteil der Ernte ausbleiben würde. Deshalb würden sie nun ihre Casuals ( = Aushilfsarbeiter ) wieder entlassen.
Wir waren alle davon sehr sehr begeistert. Besonders toll war, dass wir die 6 Tage davor ebenfalls nicht arbeiten konnten, also sozusagen die ganze Zeit auf Arbeit gewartet haben.
Doch es war auch wieder angenehm mit einem Ort und einem Kapitel in Australien abzuschließen.
Matt und Sean,die sonst wirklich Meister im Faul sein sind, haben es geschafft innerhalb von wenigen Minuten nach diese Neuigkeit alles einzupacken und sich auf den Weg nach Byron Bay zu machen.
Auch wir haben beschlossen uns auf den Weg zu machen, aber dabei nicht die Sehenswürdigkeiten in den National Parks der Umgebung auszulassen.



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