Ein harter Marsch durch 24 Kilometer Alpin-Terrain liegt heute hinter uns.
Meine Füße sind in einem ziemlich schlechten Zustand, da ich dachte, es waere eine gute Idee ein paar hundert Dollar zu sparen und keine Wanderstiefel zu kaufen.
Nun aber von vorne.. :
Nachdem wir von Stratford zurueck nach Taupo gefahren sind, haben wir erst mal einen Tag im Internetcafe pausiert und unsere Webseiten aktualsiert. Das hat sich dann auf ueber 9 Stunden Internet und 35 Dollar pro Person belaufen.
Anschliessend habe ich schon unseren Shuttle Transfer fuer das Tongariro-Crossing gebucht.
Da der Shuttlebus bereits um 8 Uhr Morgens losfaehrt und der Treffpunkt etwa 1 Stunde Fahrt von Taupo entfernt ist, haben wir beschlossen bereits am Abend zu dem Treffpunkt zu fahren und dort einfach im Auto zu schlafen.
Das war auf jeden Fall auch die richtige Entscheidung, denn es war trotzdem eine ziemliche Ueberwindung am naechsten Morgen aufzustehen.
Mit dem Shuttlebus sind wir dann zum Startpunkt des Tongariro-Durchquerung gebracht worden.
Vielleicht sollte ich jetzt kurz ein paar Worte ueber diese Tongariro-Alpinlandschaft einschieben:
Das Tongariro-Crossing ist eine der abwechslungsreichsten und beeindruckensten Alpinlandschaften von Neuseeland.
Der Pfad fuehrt unzähligen beeindruckenden Vulkanen vorbei; und auch an Kraterseeen.
Ebenfalls der weltberuehmte Mount Doom (aus Herr der Ringe) ist nicht weit vom Pfad und kann in etwa 3 - 5 Stunden erklommen werden.
Begonnen hat der Pfad mit etwa 6 Km durch sehr leichtes und langsam ansteigendes Terrain.
Es war zwar bereits sehr bewölkt, jedoch waren die Wolken noch relativ hoch, sodass es nur geringen Nebel gab.
Danach folgten etwa 2 Km mit extrem starker Steigung. Oben auf dem Plateau angekommen war die Sicht auf etwa 10 Meter geschrumpft, da wir uns dort genau auf Wolkenhöhe befunden haben.
Von diesem kleinen Plateau haben wir Mount Doom in Angriff genommen. Der Weg zum Gipfel ist nicht markiert und die Sicht hat sich auf geschaetzt 5 Meter weiter reduziert.
Am Anfang hatten wir noch Gesellschaft von ein paar Franzosen, die ebenfalls zum Gipfel wollten. Jedoch haben wir nach ein paar Minuten beschlossen voraus zu gehen, da diese sehr langsam und fuer unseren Geschmack zu vorsichtig geklettert sind.
Das Klettern war sehr kräftezehrend. Nicht die Steigung war das Hauptproblem, sondren der Untergrund.
Der Untergrund besteht hauptsächlich aus kleinen leichten Steinen, die ueberhaupt keinen Halt bieten koennen. So kommt man leicht ins Rutschen und fuehlt sich etwa wie ein Auto, das im Sand stecken geblieben ist.
Nach etwa 1 Stunde Klettern kam uns dann ein Japaner entgegen, der seinen Gipfelsturm abgebrochen hat, weil er der Meinung war, dass ein starkes Unwetter kurz bevor steht. Auch uns hat er abgeraten unseren Aufstiegt fortzusetzen. Zudem hat er uns gefragt ob wir ein “Intentionform” ausgefuellt haben.
Seit dem wissen wir auch was ein Intentionform ist und ich muss zugeben, dass es ziemlich dumm war, dass wir keines ausgefuellt hatten.
Trotzdem haben wir beschlossen den Aufstiegt fortzusetzen, da wir wohl nur ein mal das Tongariro-Crossing machen werden.
Nach weiteren ca. 1 1/2 Stunden standen wir dann auf der Spitze.
Lustigerweise war die Sicht weiter geschrumpft, sodass wir uns erst nicht mal sicher waren, ob wir wirklich bereits auf dem Gipfel angekommen sind.
Durch den starken Wind hat sich dann von einer Sekunde auf die naechste ploetzlich der Himmel fuer ein paar Minuten geklaert und wir konnten wie verrueckt Fotos schiessen und verifizieren, dass wir wirklich auf dem Gipfel sind.
Die Sicht auf die umliegende Landschaft war zwar sehr eingeschraenkt, aber bei jedem Loch durch die Wolkendecke sehr beeindruckend.
Nach einer kleinen Picnic-Pause haben wir uns ohne Sicht wieder auf dem Weg nach unten gemacht.
Der Abstiegt war eigentlich schlimmer als der Aufstieg, da man sehr leicht ins Rutschen gekommen ist.
Ich habe mir dabei mehrere Verletzungen in den Haenden zugezogen.
Einen guten Eindruck von unserer Abstiegstechnik kann man durch dieses Video bekommen.
Nach dem Abstieg waren wir schon ziemlich kaputt und auch ziemlich schlecht in der Zeit.
Der letzte Shuttlebus fährt vom Ende der Strecke um 16:30 ab. Als wir den Abstieg beendet haben, war es bereits nach 14 Uhr. Fuehr die restliche Strecke sollte man aber noch ca. 6 Stunden kalkulieren, sodass wir bereits jetzt wussten, dass wir unseren Bus verpassen würden.
Im Tal angekommen war auch die Sicht durch die sinkenden Wolken auf wenige Meter beschraenkt. So kam es, dass wir uns total verirrt haben und in einer riesigen wüstenartigen Landschaft herumgelaufen sind.
Nach etwa einer halben Stunde haben wir jedoch endlich ein paar Stimmen irgendwo im Nebel gehoert und uns auf die Suche gemacht.
Nach weiteren 10 Minuten sind wir dann auf Menschen getroffen, denen wir gefolgt sind.
Nach etwa 30 Minuten hat sich dann herausgestellt, dass diese Menschen in die falsche Richtung gelaufen sind - und wir ihnen in die falsche Richtung gefolgt sind.
Immerhin waren wir jedoch wieder auf der Strecke.
Langsam aber stetig haben wir uns dann durch den dichten Nebel und Regen gekämpft und sind nach etwa 5 Kilometer wieder auf starke Steigungen gestossen, die wir uns auch hochgequält haben.
Oben angekommen ist die Wolkendecke kurz aufgebrochen und wir konnten plötzlich mehrere türkisblaue Kraterseen bestaunen. Unangenehm war der starke Ei-Geruch, der durch die vulkanischer Aktivität hervorgerufen wurde.
Unser Weg bahne sich dann unmittelbar an den Seen vorbei und ging dann weiter durch ein großes flaches Tal, was in Herr der Ringe zur Darstellung von Mordor verwendet wurde.
Auf das Tal folgte noch ein letzter kräftezehrender Aufstieg. Dann ging es langsam aber sicher die letzten 6 Kilometer berg ab.
Der Weg berg ab stellte sich nach wenigen Kilometern auch als äußerst schmerzhaft heraus, da durch das ständige “Bremsen” mit den Füßen die Zehen oben stark wund geworden sind.
Schliesslich sind wir dann wieder in den Wald gekommen.
Dort konnten wir sogar kurz Bagger fahren.
Um etwa 8 Uhr sind wir dann schließlich am Parkplatz angekommen.
Unser Shuttlebus hat uns von dort sogar abgeholt, da ich sie per Handy noch ueber unsere Verspätung informieren konnte. Wir mussten jedoch nochmal 50 Dollar extra bezahlen, aber das ist bei weitem besser als die 30 Kilometer zum Auto zu Fuß zu laufen!
Wir sind dann noch in der Nacht zurueck zu Taupo gefahren, um uns mit einem Subway fuer unsere Anstrengungen zu belohnen. Um es rechtzeitig vor Ladenschluss zu schaffen, musste ich etwas rasen. Das gute war, dass ein paar LKWs vor uns mit ca. 130 km/h (80 für LKWs ist erlaubt) vor uns gefahren sind, sodass wir kein sehr großes Risiko eingehen mussten.
Nach dem Abendessen bin ich wie ein Stein eingeschlafen, obwohl wir nicht mal duschen konnten. Ich konnte jedoch schon spüren, dass meine Gesundheit etwas angeschlagen war.
Das komplette Tongariro-Fotoalbum ist wie gewohnt bei Flickr.